Recht & Genehmigung

Wintergarten Baugenehmigung Bremen 2026: § 61 BremLBO, Grenzabstand & Kosten

Bremen hat die Grenzwerte für verfahrensfreie Wintergärten 2024 neu gefasst – der komplette Überblick mit § 61 BremLBO im Wortlaut, Grenzabstand, Kosten und zwei Fallbeispielen aus der Praxis.

⏱️ 13 Min. Lesezeit📅 Juli 2026
JK
Jan Kotzorek·Chefredakteur, Wintergartenliebhaber.de·Veröffentlicht: 24. Juli 2026

Bremen hat seine Landesbauordnung zum 1. Juli 2024 komplett neu gefasst – und das hat für Wintergärten direkte Folgen. Wer bei einer Recherche noch auf ältere Foreneinträge oder Artikel mit „2,50 m Tiefe" stößt, liest schlicht veraltetes Recht. Nach 15 Jahren Wintergartenplanung erlebe ich gerade bei Bremen häufig, dass Bauherren mit Zahlen aus der alten Bremischen Landesbauordnung planen und dann im Erstgespräch überrascht sind, dass sich die Grenzwerte geändert haben.

Dieser Artikel ergänzt unseren Grundlagen-Ratgeber zur Wintergarten-Baugenehmigung und ist Teil der Reihe zum Bundesländer-Vergleich. Grundlage ist die aktuelle Bremische Landesbauordnung (BremLBO) in der seit 1. Juli 2024 geltenden Fassung.

💡 Auf einen Blick (TL;DR): Terrassen einschließlich Überdachungen sowie überwiegend verglaste, nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmte Vorbauten (Veranden, Wintergärten) sind in Bremen nach § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h bb) BremLBO bis 30 m² Grundfläche und 3,50 m Tiefe verfahrensfrei – seit der Novelle 2024 wurde die Tiefe von vormals 2,50 m auf 3,50 m angehoben. Die Ausnahme gilt nicht im Geltungsbereich örtlicher Gestaltungssatzungen. Der Grenzabstand beträgt regulär 0,4 × Wandhöhe, mindestens 3 m. Ein untergeordneter, eingeschossiger Wintergarten kann unter bestimmten Voraussetzungen sogar ganz ohne eigene Abstandsfläche innerhalb der Abstandsfläche des Hauptgebäudes liegen. Stand: Juli 2026. Verbindlich ist immer die aktuelle Fassung der BremLBO plus die Auskunft des Bauamts Bremen oder Bremerhaven.
Wohnwintergarten mit Rattanmöbeln, hellen Kissen und großen Fensterflächen
Ein beheizter Wohnwintergarten – in Bremen kommt es auf den Nutzungscharakter an, nicht nur auf die Größe · Foto: Pexels

Ist ein Wintergarten in Bremen genehmigungspflichtig?

Bremen zählt zu den Bundesländern mit einer vergleichsweise klaren und aktuell sogar leicht großzügigeren Verfahrensfreiheit für Wintergärten – das Ergebnis der Bauordnungsreform vom 1. Juli 2024. Die neue Bremische Landesbauordnung hat die zulässige Tiefe für Vorbauten wie Wintergärten und Veranden von 2,50 m auf 3,50 m angehoben, während die Flächengrenze von 30 m² unverändert blieb.

Wichtig zu verstehen: Die Verfahrensfreiheit knüpft in Bremen anders als in vielen anderen Ländern nicht in erster Linie an die Beheizung an, sondern an die Nutzungsart. Der Gesetzestext spricht von Vorbauten, die „nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmt" sind. Ein Wintergarten, der faktisch als dauerhaft genutzter Wohnraum dient – etwa mit fest installierter Heizung und ganzjähriger Nutzung als Arbeits- oder Wohnzimmer – fällt aus dieser Kategorie heraus und ist dann unabhängig von seiner Größe genehmigungspflichtig.

⚠️ Wichtig: „Genehmigungsfreiheit" bedeutet auch in Bremen nur den Verzicht auf das Bauantragsverfahren. Abstandsflächen, Standsicherheit und alle sonstigen bauordnungsrechtlichen Anforderungen bleiben in vollem Umfang bestehen und werden im Streitfall nachträglich durchgesetzt.
Zwei Architekten besprechen Baupläne in einem modernen Büro, Fokus auf Projektdetails
Bauvorlageberechtigter Planer und Bauherr besprechen das Bremer Genehmigungsverfahren · Foto: Pexels

§ 61 BremLBO im Wortlaut: Die Vorbauten-Regelung

Maßgeblich ist § 61 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe h Doppelbuchstabe bb der Bremischen Landesbauordnung in der seit 1. Juli 2024 geltenden Fassung. Der Gesetzestext zählt zu den verfahrensfreien „vor die Außenwand eines Gebäudes vortretenden eingeschossigen Gebäudeteilen ohne Feuerstätten" unter anderem:

„Terrassen einschließlich möglicher Überdachungen sowie überwiegend verglaste, nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmte Vorbauten (Veranden, Wintergärten) bis zu einer Grundfläche von 30 Quadratmeter und einer Tiefe bis 3,50 Meter" – so der wörtliche Wortlaut aus § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h bb) BremLBO.

1 1. „Eingeschossig" und „ohne Feuerstätten" gelten für die gesamte Kategorie h). Eine offene Kaminstelle oder ein Kachelofen im Wintergarten würde die Verfahrensfreiheit ausschließen – eine reguläre Elektroheizung fällt nicht automatisch darunter, da „Feuerstätten" im Gesetzessinn Anlagen zur Wärmeerzeugung durch Verbrennung meint.

2. Grundfläche UND Tiefe müssen beide eingehalten werden. 30 m² Grundfläche bei gleichzeitig mehr als 3,50 m Tiefe wären ebenso unzulässig wie eine geringere Fläche mit größerer Tiefe.

3. „Nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmt" ist eine Nutzungsfrage, keine reine Bauartfrage. Anders als in manchen anderen Ländern stellt der Bremer Gesetzestext explizit auf die tatsächliche Nutzung ab – ein dauerhaft bewohnter, voll ausgestatteter Wohnwintergarten erfüllt dieses Kriterium in der Regel nicht mehr, selbst wenn er unter 30 m² bleibt.

4. Die Ausnahme gilt nicht überall. Im Geltungsbereich örtlicher Bauvorschriften nach § 86 Absatz 1 Nummer 1 BremLBO (Gestaltungssatzungen zum Ortsbildschutz) ist die Verfahrensfreiheit ausgeschlossen – das betrifft insbesondere denkmalgeschützte Bereiche und historische Ortskerne in Bremen und Bremerhaven.

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Bauzeichnungen und ein Bauhelm in Draufsicht auf einem Tisch bei Sonnenlicht
Bauzeichnungen und ein Bauhelm in Draufsicht auf einem Tisch bei Sonnenlicht · Foto: Pexels

Grenzabstand in Bremen: § 6 BremLBO

Auch ein verfahrensfreier Wintergarten muss die Abstandsflächen einhalten. § 6 Absatz 6 BremLBO legt fest: „Die Tiefe der Abstandsflächen beträgt 0,4 H, mindestens 3 Meter." In Gewerbe- und Industriegebieten genügt eine Tiefe von 0,2 H, ebenfalls mindestens 3 Meter. Vor Außenwänden von Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschossen genügt als Tiefe der Abstandsfläche pauschal 3 Meter.

Eine wichtige Erleichterung findet sich in § 6 Absatz 8 Nummer 6 BremLBO: Danach sind „überdachte Terrassen sowie untergeordnete eingeschossige Wintergärten, die nicht zum dauernden Aufenthalt geeignet sind, nicht in offener Verbindung zu einem Aufenthaltsraum stehen und von der gegenüberliegenden Nachbargrenze mindestens 2,50 Meter entfernt bleiben" in den Abstandsflächen eines Gebäudes zulässig, ohne eine eigene Abstandsfläche zu erzeugen.

💡 Praxistipp: Diese Erleichterung nach § 6 Abs. 8 Nr. 6 BremLBO ist an drei kumulative Bedingungen geknüpft: eingeschossig, nicht dauerhaft aufenthaltsgeeignet, und keine offene Verbindung zu einem Aufenthaltsraum des Hauptgebäudes (also z. B. eine schließbare Tür statt eines offenen Durchgangs). Wer diese Kriterien erfüllt, kommt mit 2,50 m statt 3 m Grenzabstand aus – ein Unterschied, der bei kleinen Grundstücken in Bremen-Vegesack oder Bremerhaven oft über die Machbarkeit entscheidet.
Bauarbeiter misst mit einem Maßband einen Abstand auf einer aktiven Baustelle
Der Grenzabstand muss auch in Bremen exakt vermessen werden · Foto: Pexels

Kaltwintergarten vs. beheizter Wohnwintergarten in Bremen

Wie oben beschrieben, ist die entscheidende Frage in Bremen nicht allein die Beheizung, sondern der tatsächliche Nutzungscharakter. In der Praxis fällt die Unterscheidung aber meist mit der Beheizungsfrage zusammen: Ein unbeheizter Kaltwintergarten wird üblicherweise nur saisonal genutzt und erfüllt damit das Kriterium „vorübergehender Aufenthalt". Ein beheizter Wohnwintergarten mit ganzjähriger Nutzung als Wohnraum erfüllt es in aller Regel nicht mehr – auch wenn er unter 30 m² und 3,50 m Tiefe bleibt.

Das bedeutet konkret: Wer einen Wintergarten mit Fußbodenheizung, hochwertiger Dreifachverglasung und dem klaren Ziel plant, ihn ganzjährig als Wohnzimmer-Erweiterung zu nutzen, sollte von Anfang an mit einem Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BremLBO kalkulieren – unabhängig von der Größe.

⚠️ Praxisbeobachtung: Bei einem Bauvorhaben in Bremen-Horn hatte ein Bauherr einen 28-m²-Wintergarten als „Kaltwintergarten" deklariert, aber von Anfang an eine Fußbodenheizung mitverlegt „für den Notfall". Das Bauamt wertete dies als klares Indiz für eine dauerhafte Aufenthaltsnutzung und verlangte eine nachträgliche Baugenehmigung – inklusive energetischem Nachweis nach dem Gebäudeenergiegesetz.
KriteriumVorbau „vorübergehender Aufenthalt"Dauerhafter Wohnwintergarten
Verfahrensfreiheitbis 30 m² / 3,50 m Tiefe möglichentfällt immer
Typische Nutzungsaisonal, Frühjahr/Herbstganzjährig, wie Wohnraum
Heizungkeine Feuerstätte, allenfalls mobilfest installierte Heizung
Energetischer Nachweisnicht erforderlichPflicht nach GEG

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Die Kennzahlen für Bremen im Überblick

KennzahlWertRechtsgrundlage
Verfahrensfreigrenze Kaltwintergarten / Vorbau≤ 30 m² Grundfläche und ≤ 3,50 m Tiefe (seit 1.7.2024, vorher 2,50 m)§ 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h bb) BremLBO
Verfahrensfreigrenze beheizter Wohnwintergartenkeine – bei dauerhafter Aufenthaltsnutzung immer genehmigungspflichtig§ 59 BremLBO (Grundsatz)
Grenzabstand (Regelfall)0,4 × Wandhöhe, mind. 3 m; bei GK 1–2 ≤ 3 Geschosse pauschal 3 m§ 6 Abs. 6 BremLBO
Grenzabstand privilegierter Wintergarten (untergeordnet, eingeschossig)ohne eigene Abstandsfläche zulässig, mind. 2,50 m zur gegenüberliegenden Nachbargrenze§ 6 Abs. 8 Nr. 6 BremLBO
Gebühr Baugenehmigungsverfahrenca. 0,9 % der Baukosten (mind. rund 130 €); vereinfachtes Verfahren ca. 0,45 % (mind. rund 80 €)Gebührenordnung Stadtgemeinde Bremen/Bremerhaven
Bearbeitungsdauerbis zu 12 Wochen nach Vollständigkeitsbestätigung§ 69 Abs. 3 BremLBO
Draufsicht auf Taschenrechner, Quittungen und Bauunterlagen auf einem Tisch
Bauantrag und Kostenkalkulation gehören für Bremer Wintergärten eng zusammen · Foto: Pexels

Bauantrag stellen: So läuft es in Bremen ab

Bremen ist als Stadtstaat baurechtlich in die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven gegliedert, die jeweils eigene untere Bauaufsichtsbehörden unterhalten. Für genehmigungspflichtige Wintergärten kommt je nach Fall entweder das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 63 BremLBO (bei Wohn-, Neben- und sonstigen baulichen Anlagen im Geltungsbereich eines Bebauungsplans) oder das reguläre Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BremLBO zur Anwendung.

2 1. Bauvorlagen erstellen lassen: Lageplan, Bauzeichnungen, Baubeschreibung – bei Standsicherheitsrelevanz durch eine Tragwerksplanerin oder einen Tragwerksplaner geprüft.

2. Antrag bei der zuständigen unteren Bauaufsichtsbehörde einreichen: Bauordnungsamt der Stadtgemeinde Bremen oder Bremerhaven.

3. Eingangsbestätigung abwarten: Die Behörde bestätigt den Zeitpunkt des vollständigen Eingangs der Bauvorlagen in Textform.

4. Zwölf-Wochen-Frist: Die Bauaufsichtsbehörde entscheidet innerhalb von zwölf Wochen nach dem bestätigten Eingangsdatum, verlängerbar um bis zu einen Monat bei wichtigem Grund.

5. Baubeginnanzeige: Erst nach Zugang der Baugenehmigung und Vorlage der Baubeginnanzeige darf mit den Arbeiten begonnen werden.

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Blaue, beschriftete Aktenordner ordentlich in einem Büroregal aufgereiht
Bauamt-Archiv: Bauakten werden nach Aktenzeichen sortiert aufbewahrt · Foto: Pexels

Was kostet die Baugenehmigung in Bremen?

Die Behördengebühr im regulären Verfahren beträgt rund 0,9 Prozent der Baukosten, mindestens jedoch etwa 130 Euro. Im vereinfachten Verfahren nach § 63 BremLBO sind es nur rund 0,45 Prozent, mindestens etwa 80 Euro – allerdings verlagert sich hier ein Teil der Prüfverantwortung auf den Entwurfsverfasser, was sich in höheren Planungshonoraren niederschlagen kann. Für einen typischen Wohnwintergarten mit 30.000 Euro Baukosten liegt die reine Behördengebühr damit zwischen rund 135 und 270 Euro, zuzüglich Planungs- und Statikkosten ab etwa 1.500 Euro netto.

💡 Praxistipp: Fragen Sie bei der Bauaufsichtsbehörde gezielt nach, ob für Ihr Vorhaben das vereinfachte oder das reguläre Verfahren gilt – die Gebührendifferenz von rund 50 Prozent lohnt sich, frühzeitig zu klären, bevor Sie Planungsleistungen beauftragen.
Modernes Einfamilienhaus mit verglastem Wintergarten-Anbau und angrenzender Terrasse
Ein 26-m²-Kaltwintergarten wie im Bremer Fallbeispiel bleibt unter der aktuellen Freigrenze · Foto: Pexels

Fallbeispiel 1: 26-m²-Kaltwintergarten in Bremen-Oberneuland, verfahrensfrei

Ein Ehepaar in Bremen-Oberneuland plante einen unbeheizten Wintergarten mit Aluminium-Profilen und Isolierverglasung, 26 m² Grundfläche, 3,20 m Tiefe. Da sowohl die Grundfläche (26 m² < 30 m²) als auch die Tiefe (3,20 m < 3,50 m) unter den seit Juli 2024 geltenden Grenzwerten lagen und der Wintergarten ausdrücklich nur für die Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst genutzt werden sollte, konnte ohne Bauantrag gebaut werden.

Der Grenzabstand betrug am geplanten Standort rund 2,80 Meter zur seitlichen Nachbargrenze. Da der Wintergarten eingeschossig war, keine dauerhafte Aufenthaltsnutzung vorgesehen war und keine offene Verbindung zu einem Aufenthaltsraum des Hauptgebäudes bestand (eine Terrassentür trennte die Bereiche), griff die Erleichterung nach § 6 Abs. 8 Nr. 6 BremLBO mit dem reduzierten Mindestabstand von 2,50 Metern – das Vorhaben war damit auch abstandsflächenrechtlich zulässig.

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Handwerker montiert mit einem Akkuschrauber ein Fensterelement an einer Hauswand
Montage eines Wohnwintergarten-Fensterelements im Bremerhavener Fallbeispiel · Foto: Pexels

Fallbeispiel 2: 32-m²-Wohnwintergarten in Bremerhaven, genehmigungspflichtig

Eine Familie in Bremerhaven-Lehe plante einen ganzjährig beheizten Wohnwintergarten mit 32 m² Grundfläche als Erweiterung des Wohnzimmers, komplett mit Fußbodenheizung und Dreifachverglasung nach GEG-Standard. Mit 32 m² lag das Vorhaben bereits über der 30-m²-Grenze für verfahrensfreie Vorbauten – zusätzlich schloss die geplante dauerhafte Wohnraumnutzung die Anwendung von § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h bb) BremLBO ohnehin aus.

Das reguläre Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BremLBO dauerte in diesem Fall rund zehn Wochen bis zur Erteilung, die Behördengebühr lag bei etwa 310 Euro. Der energetische Nachweis nach dem Gebäudeenergiegesetz für die beheizte Nutzung sowie der Standsicherheitsnachweis für die zusätzliche Dachlast waren die zeitintensivsten Bestandteile der Bauvorlagen.

Da das Grundstück im Geltungsbereich eines rechtswirksamen Bebauungsplans lag und das Vorhaben dessen Festsetzungen nicht widersprach, hätte alternativ auch die Genehmigungsfreistellung nach § 62 BremLBO genutzt werden können. Die Familie entschied sich jedoch bewusst für das reguläre Verfahren, um von der Bauaufsichtsbehörde eine verbindliche Prüfung der Statik- und Energienachweise zu erhalten – ein Vorgehen, das ich bei größeren, dauerhaft genutzten Wohnwintergärten grundsätzlich empfehle, auch wenn es etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Hände halten eine Lupe über einen Globus auf einem Schreibtisch mit Notizen
Checkliste vor dem Bauantrag: Alle Punkte für Bremen durchgehen · Foto: Pexels

Typische Fehler bei der Bremen-Baugenehmigung

Fehler 1: Mit veralteten 2,50-m-Werten planen

Die Novelle vom 1. Juli 2024 hat die zulässige Tiefe für Wintergärten von 2,50 m auf 3,50 m erhöht. Ältere Online-Quellen, Foreneinträge und teils auch Angebote von Fachbetrieben rechnen noch mit dem alten Wert – das kann dazu führen, dass eine tatsächlich verfahrensfreie Planung unnötig verkleinert wird.

Fehler 2: Nutzungsabsicht nicht ehrlich einschätzen

Wer von Anfang an plant, den Wintergarten dauerhaft als Wohnraum zu nutzen, sollte das auch so angeben und planen – der Versuch, einen faktischen Wohnwintergarten formal als „vorübergehend genutzten" Vorbau zu deklarieren, hält einer bauamtlichen Prüfung selten stand.

Fehler 3: Gestaltungssatzungen übersehen

In historischen Ortsteilen und denkmalgeschützten Bereichen Bremens und Bremerhavens gelten örtliche Bauvorschriften, die die Verfahrensfreiheit ausschließen können. Diese Satzungen sind vor Planungsbeginn beim Bauamt zu erfragen.

Fehler 4: Die 2,50-m-Erleichterung beim Grenzabstand falsch anwenden

Die reduzierte Grenzabstandsregel nach § 6 Abs. 8 Nr. 6 BremLBO gilt nur bei kumulativer Erfüllung aller drei Bedingungen (eingeschossig, nicht dauerhaft aufenthaltsgeeignet, keine offene Verbindung). Fehlt eine davon, gilt der reguläre 3-Meter-Abstand.

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Nahaufnahme eines Handschlags zwischen zwei Personen in einem Büro
Beratungsgespräch zwischen Bauherr und Fachbetrieb vor Baubeginn · Foto: Pexels

Genehmigungsfreistellung nach § 62 BremLBO: Eine Alternative zur Verfahrensfreiheit

Überschreitet ein Wintergarten die 30-m²-Grenze oder soll er dauerhaft als Wohnraum genutzt werden, ist er zwar nicht mehr verfahrensfrei – dennoch muss nicht zwingend das volle Baugenehmigungsverfahren durchlaufen werden. Die Bremische Landesbauordnung kennt mit der Genehmigungsfreistellung nach § 62 BremLBO ein weiteres, schlankeres Verfahren: Liegt das Vorhaben im Geltungsbereich eines rechtswirksamen Bebauungsplans und widerspricht es dessen Festsetzungen nicht, kann mit der Bauausführung bereits einen Monat nach Vorlage der vollständigen Bauvorlagen bei der Gemeinde begonnen werden – sofern die Gemeinde nicht innerhalb dieser Frist ein reguläres Baugenehmigungsverfahren verlangt.

Diese Genehmigungsfreistellung ist bauordnungsrechtlich etwas anderes als die Verfahrensfreiheit nach § 61 BremLBO: Während § 61 bestimmte, klar definierte Vorhaben von jeder behördlichen Beteiligung ausnimmt, verlagert § 62 BremLBO bei größeren Wohngebäude-Vorhaben lediglich die Prüftiefe und beschleunigt den Ablauf, ohne die Gemeinde ganz außen vor zu lassen. Für einen 34-m²-Wohnwintergarten, der die 30-m²-Grenze überschreitet, kann dieses Verfahren daher eine deutlich schnellere Alternative zum klassischen Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BremLBO sein – vorausgesetzt, das Grundstück liegt im Geltungsbereich eines Bebauungsplans und die Erschließung ist gesichert.

💡 Praxistipp: Prüfen Sie bei einem Wintergarten, der die 30-m²-Grenze nur knapp überschreitet, unbedingt, ob Ihr Grundstück im Geltungsbereich eines Bebauungsplans liegt. Ist das der Fall, kann die Genehmigungsfreistellung nach § 62 BremLBO deutlich schneller zum Ziel führen als ein regulärer Bauantrag – bei vergleichbarem Prüfungsumfang für die Bauherrin oder den Bauherrn.

Wichtig zu wissen: Auch bei der Genehmigungsfreistellung bleibt die Bauherrin oder der Bauherr in vollem Umfang dafür verantwortlich, dass das Vorhaben allen materiellen Anforderungen der BremLBO entspricht – inklusive Abstandsflächen, Standsicherheit und energetischen Vorgaben bei beheizter Nutzung. Die Entwurfsverfasserin oder der Entwurfsverfasser muss dazu explizit erklären, dass keine Abweichungen oder Befreiungen erforderlich sind.

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Bestandsschutz: Wenn Sie eine alte Terrassenüberdachung zum Wintergarten umbauen

Ein Fall, der mir in der Beratung in Bremen immer wieder begegnet: Auf dem Grundstück steht bereits eine offene Terrassenüberdachung oder ein Carport, und der Eigentümer möchte diese Struktur nachträglich verglasen und zu einem Wintergarten umbauen. Bauordnungsrechtlich ist das kein einfacher „Anbau", sondern eine Nutzungsänderung mit baulicher Erweiterung – und die Frage, ob der bestehende Bestandsschutz erhalten bleibt, ist keineswegs trivial.

Der entscheidende Punkt: Bestandsschutz gilt immer nur für die genehmigte oder verfahrensfrei errichtete Anlage in ihrer ursprünglichen Form und Nutzung. Sobald Sie eine offene Überdachung durch Glaswände schließen, verändern Sie sowohl die Kubatur als auch potenziell die Nutzung – der Bestandsschutz der alten Struktur erstreckt sich nicht automatisch auf die neue, geschlossene Form. Sie müssen die Verfahrensfreiheit für den umgebauten Zustand daher komplett neu prüfen, so als würden Sie von Grund auf neu bauen.

Praxistipp: Lassen Sie sich von der Bauaufsichtsbehörde schriftlich bestätigen, dass die ursprüngliche Überdachung tatsächlich rechtmäßig errichtet wurde (Genehmigung oder dokumentierte Verfahrensfreiheit). Fehlt dieser Nachweis, kann die gesamte Struktur – nicht nur die Verglasung – nachträglich zur Legalisierung angemeldet werden müssen, was Zeit und Geld kostet.

In der Praxis bedeutet das: Wer eine bestehende Terrassenüberdachung in Bremen zum Wintergarten aufwerten möchte, sollte die Maße nach dem Umbau – nicht die der alten Struktur – gegen die aktuellen Grenzwerte aus § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h bb) BremLBO (30 m² Grundfläche, 3,50 m Tiefe, unbeheizt) prüfen. Bleibt der umgebaute Wintergarten innerhalb dieser Werte und wird nicht beheizt, bleibt er verfahrensfrei. Wird er beheizt oder überschreitet er die Maße, braucht es einen regulären Bauantrag oder – bei Übereinstimmung mit einem gültigen Bebauungsplan – die Genehmigungsfreistellung.

Checkliste: Wintergarten in Bremen planen

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Häufige Fragen zur Wintergarten-Baugenehmigung in Bremen

Brauche ich in Bremen immer eine Baugenehmigung für einen Wintergarten?

Nein. Terrassenüberdachungen und verglaste Vorbauten wie Wintergärten sind nach § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h bb) BremLBO bis 30 m² und 3,50 m Tiefe verfahrensfrei, sofern sie nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmt sind. Ein dauerhaft genutzter, beheizter Wohnwintergarten ist unabhängig von der Größe genehmigungspflichtig.

Stimmt es, dass sich die Grenzwerte in Bremen 2024 geändert haben?

Ja. Mit der Neufassung der Bremischen Landesbauordnung zum 1. Juli 2024 wurde die zulässige Tiefe für verfahrensfreie Vorbauten wie Wintergärten von 2,50 m auf 3,50 m angehoben. Die Flächengrenze von 30 m² blieb unverändert.

Wie groß muss der Grenzabstand zum Nachbargrundstück sein?

Regulär 0,4 × Wandhöhe, mindestens 3 Meter. Ein untergeordneter, eingeschossiger Wintergarten ohne dauerhafte Aufenthaltsnutzung und ohne offene Verbindung zu einem Aufenthaltsraum kann nach § 6 Abs. 8 Nr. 6 BremLBO mit nur 2,50 Metern Abstand zur gegenüberliegenden Nachbargrenze auskommen.

Zählt eine mobile Heizung schon als „Feuerstätte"?

Nein, „Feuerstätten" im Sinne der BremLBO meint Anlagen zur Wärmeerzeugung durch Verbrennung, etwa einen Kamin oder Kachelofen. Eine elektrische Heizung fällt nicht darunter – kann aber je nach Nutzungsintensität dennoch dazu führen, dass der Wintergarten nicht mehr als „nur vorübergehend genutzt" gilt.

Wie lange dauert das Baugenehmigungsverfahren in Bremen?

Die Bauaufsichtsbehörde entscheidet in der Regel innerhalb von zwölf Wochen nach Bestätigung der Vollständigkeit der Bauvorlagen. Eine Verlängerung um bis zu einen Monat bei wichtigem Grund ist möglich.

Was kostet die Baugenehmigung für einen Wintergarten in Bremen?

Im regulären Verfahren rund 0,9 Prozent der Baukosten, mindestens etwa 130 Euro. Im vereinfachten Verfahren rund 0,45 Prozent, mindestens etwa 80 Euro. Hinzu kommen Planungs- und Statikkosten ab etwa 1.500 Euro netto.

Gilt die Verfahrensfreiheit auch in historischen Ortsteilen von Bremen?

Nicht automatisch. Im Geltungsbereich örtlicher Gestaltungssatzungen nach § 86 Abs. 1 Nr. 1 BremLBO – etwa in denkmalgeschützten Bereichen – ist die Verfahrensfreiheit für Wintergärten ausgeschlossen.

Fazit: Bremen wurde 2024 großzügiger – aber prüfen Sie die aktuellen Werte

Bremen zeigt beispielhaft, wie wichtig es ist, mit der aktuellen Fassung einer Landesbauordnung zu planen. Die Anhebung der Tiefe von 2,50 m auf 3,50 m im Sommer 2024 hat den Spielraum für verfahrensfreie Wintergärten spürbar vergrößert. Mein Rat: Prüfen Sie vor jeder Planung, ob Ihre Quelle den Stand nach dem 1. Juli 2024 wiedergibt, klären Sie die Nutzungsabsicht ehrlich, und lassen Sie den Grenzabstand von einer Fachperson vermessen. Prüfen Sie außerdem, ob eine bestehende, offene Terrassenüberdachung auf Ihrem Grundstück beim geplanten Umbau zum Wintergarten den Bestandsschutz verliert – das ist in Bremen ein häufig unterschätzter Stolperstein.

Mehr zu den Grundlagen der Wintergarten-Baugenehmigung finden Sie in unserem Grundlagen-Ratgeber, zum Thema Grenzabstand in unserem Spezialartikel zum Grenzabstand, und zur bundesweiten Übersicht in unserem Bundesländer-Vergleich. Wer Kalt- und Wohnwintergarten noch grundsätzlich vergleichen möchte, findet Details in unserem Artikel Kaltwintergarten vs. Wohnwintergarten.

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