Kaltwintergarten
Ein Kaltwintergarten ist ein wind- und regendichter Glasanbau ohne Heizung und ohne Wärmedämmung. Er verlängert die nutzbare Terrassensaison in Frühjahr und Herbst, folgt im Winter aber weitgehend der Außentemperatur. Weil er nicht beheizt wird, gelten für ihn die energetischen Anforderungen an beheizte Gebäude nicht.
Der Kaltwintergarten — im Fachhandel auch Sommergarten genannt — ist ein allseitig geschlossener, verglaster Anbau, der ausschließlich einfach oder zweifach verglast und in der Regel mit nicht thermisch getrennten Profilen gebaut wird. Er hält Wind, Regen und Laub ab, er speichert aber keine Wärme. An einem sonnigen Februartag heizt er sich auf angenehme Temperaturen auf, nachts fällt er wieder auf Außenniveau zurück. Genau das ist sein Zweck: Nutzungsverlängerung, nicht Wohnraumgewinn.
Energetisch ist die Abgrenzung eindeutig und für Bauherren wichtig: Das deutsche Gebäudeenergierecht gilt für Gebäude, die unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden. Ein Kaltwintergarten fällt damit nicht darunter — er braucht keinen U-Wert-Nachweis und keine Bauteilanforderungen zu erfüllen. Die häufig kursierende Begründung über eine „12-Grad-Grenze" ist falsch; die betrifft Betriebsgebäude und Ställe, nicht Wohnanbauten.
Baurechtlich ist die Ersparnis dagegen null. Sobald ein überdachter Bereich allseitig verschlossen werden kann — auch nur über verschiebbare Glaselemente — ist er nach Auffassung der Bauaufsichtsbehörden keine Terrassenüberdachung mehr, sondern ein Wintergarten. Es zählt die Verschließbarkeit, nicht der Ist-Zustand. Wer ein genehmigungsfreies Terrassendach plant und später Schiebeelemente nachrüstet, kippt damit unter Umständen die Verfahrensfreiheit.
Der teuerste Planungsfehler ist die spätere Umnutzung. Ein Kaltwintergarten lässt sich nicht ohne Weiteres zum Wohnwintergarten aufrüsten: Profile, Verglasung, Fundament und Anschluss an die Hauswand sind nicht auf ein gedämmtes System ausgelegt, und in der Übergangszeit fällt an den kalten Innenflächen regelmäßig Tauwasser an. Wer auch nur ahnt, dass der Raum eines Tages ganzjährig genutzt werden soll, plant von Anfang an einen Wohnwintergarten — der Aufpreis beim Neubau ist erheblich kleiner als der spätere Rückbau.
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