Schneelast und Windlast beim Terrassendach: Zonen, Werte, was dein Dach aushalten muss
Wie viel Schnee dein Terrassendach tragen muss: Schneelastzone und Höhe finden, nachgerechnete Werte für acht Orte, Schnee an der Hauswand, Herstellerangaben richtig lesen, sicher räumen, Windlast und Versicherung.
Ein Terrassendach muss so viel Schnee tragen, wie die Norm für deinen Ort vorgibt: in Köln rund 53 kg pro Quadratmeter Dachfläche, in München rund 90, in Memmingen, Wangen und Kempten 170 bis 300. Ein Dach, das 100 kg/m² tragen darf, hält in der Dachfläche knapp einen Meter Neuschnee, aber nur 25 cm nassen Schnee; an der Hauswand weniger. Ob deins reicht, prüfst du in drei Schritten: Zone und Höhe nachschlagen, den Wert deines Dachs finden, beides vergleichen.
Die meisten Fragen zur Schneelast entstehen an zwei Stellen: im Onlineshop, wo ein Bausatz „bis 100 kg/m² Schneelast“ verspricht, und im Januar, wenn nasser Schnee auf dem Glas liegt. Beide Male fehlt dieselbe Information: Welche Last gilt an deinem Standort, und meint die Herstellerangabe überhaupt dasselbe?
Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte so, dass du sie selbst nachrechnen kannst. Alle Rechnungen hier ersetzen keine Statik: Die Tragfähigkeit deines Dachs berechnet ein Tragwerksplaner, und bei vielen Systemen liegt dafür eine Berechnung des Herstellers vor.
Wie viel Schnee hält ein Terrassendach? Die kurze Antwort
So viel, wie seine Statik für deinen Standort ausweist. Eine allgemeine Zahl gibt es nicht, weil zwei Dinge zusammenkommen: die Last, die die Norm an deinem Ort ansetzt, und das Gewicht des Schnees, der tatsächlich liegt. Das zweite schwankt stärker, als viele denken.
Lasten gibt die Norm in kN/m² an, also Kilonewton je Quadratmeter. 1 kN/m² entspricht 101,97 kg/m², als Faustregel 100 kg. Für das Gewicht des Schnees nennt DIN EN 1991-1-3 in ihrem informativen Anhang E typische Wichten, also Gewichte je Kubikmeter Schnee: frisch gefallen 1,0 kN/m³, nach einigen Stunden oder Tagen gesetzt 2,0 kN/m³, nach Wochen 2,5 bis 3,5 kN/m³ und feucht 4,0 kN/m³.
| Schneeart (DIN EN 1991-1-3, Tab. E.1) | Gewicht je m³ | Schneehöhe für 1 kN/m² (≈ 102 kg/m²) | Was das praktisch heißt |
|---|---|---|---|
| Frisch gefallen | 1,0 kN/m³ (≈ 102 kg) | 100 cm | Lockerer Neuschnee ist leicht, bleibt aber selten so |
| Gesetzt (Stunden bis Tage) | 2,0 kN/m³ (≈ 204 kg) | 50 cm | Der Normalfall nach einem Schneefall |
| Alt (Wochen bis Monate) | 2,5 bis 3,5 kN/m³ | 29 bis 40 cm | Lange liegender, verdichteter Schnee |
| Feucht | 4,0 kN/m³ (≈ 408 kg) | 25 cm | Tauwetter oder Regen auf der Schneedecke |
Die Tabelle zeigt den Kern der Sache: Ein Dach, das 1 kN/m² tragen darf, verkraftet einen Meter frisch gefallenen Schnee, aber nur 25 Zentimeter feuchten. Fällt Regen auf eine liegende Schneedecke, saugt sie sich voll und wird binnen Stunden deutlich schwerer. Die Schneehöhe allein ist deshalb kein guter Maßstab dafür, ob du räumen musst.
Schneelastzonen nach DIN EN 1991-1-3/NA: Zonen, Formeln, Werte
Deutschland ist in fünf Schneelastzonen eingeteilt. Maßgeblich ist der nationale Anhang DIN EN 1991-1-3/NA in der Ausgabe 2019-04. Jede Zone hat einen Mindestwert für die Schneelast am Boden, abgekürzt sk.
Oberhalb einer bestimmten Geländehöhe gilt stattdessen eine Formel, in der A die Höhe über Normalnull in Metern ist. Es gilt immer der größere der beiden Werte.
| Zone | Mindestwert sk | Formel ab der Grenzhöhe | Mindestwert gilt bis etwa | Belegte Beispielorte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 0,65 kN/m² (≈ 66 kg/m²) | 0,19 + 0,91 · ((A + 140) / 760)² | 400 m ü. NN | Köln, Ulm |
| 1a | 0,81 kN/m² (≈ 83 kg/m²) | 1,25 × Formel Zone 1 | 400 m ü. NN | München |
| 2 | 0,85 kN/m² (≈ 87 kg/m²) | 0,25 + 1,91 · ((A + 140) / 760)² | 285 m ü. NN | Hamburg, Berlin, Memmingen |
| 2a | 1,06 kN/m² (≈ 108 kg/m²) | 1,25 × Formel Zone 2 | 285 m ü. NN | –* |
| 3 | 1,10 kN/m² (≈ 112 kg/m²) | 0,31 + 2,91 · ((A + 140) / 760)² | 255 m ü. NN | Wangen im Allgäu, Kempten |
* Keine übereinstimmend belegten Beispielorte gefunden.
Die Zonen 1a und 2a sind um 25 % gegenüber Zone 1 und 2 erhöht. Wichtig für Zone 3: Für bestimmte Lagen können sich höhere Werte ergeben, als die Formel liefert. Die Auskunft dazu geben die örtlichen Bauaufsichtsbehörden.
Sonderfall Norddeutsches Tiefland
Im Norddeutschen Tiefland wurden in seltenen Fällen Schneelasten gemessen, die ein Mehrfaches der Rechenwerte erreichten. Für Gemeinden, die in der Zuordnungstabelle mit der Fußnote „Nordd. Tiefland“ gekennzeichnet sind, muss deshalb zusätzlich ein außergewöhnlicher Lastfall mit dem 2,3-Fachen der Schneelast nachgewiesen werden. Das betrifft zum Beispiel Hamburg und Berlin, beide in Zone 2.
Für ein flaches Terrassendach dort ergibt das 2,3 × 0,8 × 0,85 = 1,56 kN/m², rund 159 kg/m². Dieser Fall wird ohne den Sicherheitszuschlag gerechnet, mit dem die Statik die normale Schneelast multipliziert (Teilsicherheitsbeiwert 1,5). Trotzdem liegt er höher: Die normale Bemessungslast aus Schnee beträgt in Hamburg 1,5 × 0,68 = 1,02 kN/m², der Tieflandfall 1,56 kN/m².
Bei leichten Dächern, deren Eigengewicht wenig ausmacht, entscheidet deshalb häufig dieser Sonderfall über die Profile. Das ist eine Einordnung nach unserer Rechnung, den maßgebenden Fall bestimmt der Tragwerksplaner.
Schneelastzone finden: Liste und Online-Abfrage
Eine amtliche Schneelastzonen-Karte zum Nachschlagen jeder Adresse gibt es nicht; verbindlich ist eine Liste. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) veröffentlicht die Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen als Tabelle, Stand 07.02.2023, die Windzonen im Stand vom 02.06.2022. Verbindlich sind nach Hinweis der Tabellen selbst die Bekanntmachungen der Länder in der jeweiligen Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen.
Terrassenüberdachung Schneelast berechnen: Formbeiwert und Beispiel
Der Wert sk gilt für den Boden. Auf ein Dach mit wenig Neigung rechnet die Norm ihn mit dem Formbeiwert 0,8 um: Bis 30° Dachneigung liegen auf dem Dach 80 % der Bodenlast, darüber weniger, ab 60° keine.
Die beiden weiteren Beiwerte für Umgebung und Temperatur sind in Deutschland 1,0. Terrassendächer haben fast immer wenige Grad Gefälle, also gilt 0,8. Die Last bezieht sich auf die Grundrissfläche des Dachs.
Dreieinhalb Tonnen auf zwölf Quadratmetern: Das ist die Last, mit der der Tragwerksplaner in Kempten beginnt. Dazu kommen Eigengewicht, Sicherheitsbeiwerte und gegebenenfalls die Anhäufung an der Hauswand.
Die folgende Tabelle rechnet dasselbe für acht Orte, deren Zone und Höhe sich aus mindestens zwei Quellen oder einer amtlichen Quelle belegen lassen.
| Ort | Zone | Höhe | sk Boden | Dachlast s | 4 × 3 m |
|---|---|---|---|---|---|
| Köln | 1 | 37 bis 118 m | 0,65 kN/m² | 53 kg/m² | ≈ 640 kg |
| Ulm | 1 | 478 m | 0,79 kN/m² | 65 kg/m² | ≈ 780 kg |
| Hamburg* | 2 | bis 116 m | 0,85 kN/m² | 69 kg/m² | ≈ 830 kg |
| Berlin* | 2 | bis 122 m | 0,85 kN/m² | 69 kg/m² | ≈ 830 kg |
| München | 1a | 519 m (Mittel) | 1,09 kN/m² | 89 kg/m² | ≈ 1.070 kg |
| Memmingen | 2 | 601 m | 2,07 kN/m² | 169 kg/m² | ≈ 2.020 kg |
| Wangen im Allgäu | 3 | 556 m | 2,75 kN/m² | 224 kg/m² | ≈ 2.690 kg |
| Kempten (Allgäu) | 3 | 674 m | 3,65 kN/m² | 298 kg/m² | ≈ 3.570 kg |
* Norddeutsches Tiefland: zusätzlicher Lastfall mit dem 2,3-Fachen von sk. München: Die Lokalbaukommission setzt sk = 1,15 kN/m² an, daraus 94 kg/m² Dachlast. Eigene Berechnung nach DIN EN 1991-1-3/NA, ersetzt keine Statik; ohne Anhäufung an der Wand und ohne Sicherheitsbeiwerte.
Warum die Werte im Voralpenland so schnell steigen: Die Höhe geht quadratisch in die Formel ein. In Zone 3 bringt zwischen 500 und 800 m jeder Schritt von 100 Höhenmetern 0,7 bis 0,9 kN/m² mehr. Ein Grundstück am Hang über dem Ortskern kann deshalb eine andere Auslegung brauchen als das Nachbarhaus im Tal. Was größere und stärker ausgelegte Dächer kosten, zeigt unser Ratgeber Terrassendach Preise nach Größe.
Zone und Höhe kennst du jetzt. Was ein Dach für deinen Standort kostet, zeigt ein Angebot auf deine Maße.
Angebote vergleichen →Schnee am Hausanschluss: warum die Wand die kritische Stelle ist
Ein Terrassendach ist fast immer ein niedrigeres Dach vor einer höheren Wand. Für diesen Höhensprung kennt die Norm zwei zusätzliche Effekte: Wind weht Schnee in die Ecke vor der Wand (Verwehung), und Schnee rutscht vom geneigten Hausdach herunter. Beide addieren sich direkt an der Wand und nehmen über mindestens 5 m Länge ab, also über mehr als die Tiefe eines üblichen Terrassendachs.
Die Verwehung wächst mit der Breite von Haus- und Terrassendach und mit dem Höhenunterschied; ein Rechenbeispiel aus der Wissensdatenbank von Dlubal kommt vor der Kappung durch den nationalen Anhang auf den Beiwert 2,5. Abrutschender Schnee zählt erst ab 15° Hausdachneigung. Laut Hebel-Handbuch ist der Höhensprung ab 0,50 m zu berücksichtigen.
Der nationale Anhang kappt die Summe beider Effekte im Regelfall bei 2,4. Zum Vergleich: In der Dachfläche rechnet man mit 0,8. Direkt an der Wand kann die Last also bis zum Dreifachen betragen. In schneereichen Lagen mit hohem sk begrenzt die Norm die Verwehung zusätzlich, dort kann es darunter bleiben. Für seitlich offene Vordächer bis 3 m Tiefe, die sich räumen lassen, gilt eine niedrigere Kappung von 2,0, also bis zum 2,5-Fachen.
| Ort | Dachfläche (0,8) | An der Wand, Regelfall (bis 2,4) | Offenes, räumbares Vordach bis 3 m (bis 2,0) |
|---|---|---|---|
| Köln | 53 kg/m² | 159 kg/m² | 133 kg/m² |
| Hamburg, Berlin | 69 kg/m² | 208 kg/m² | 173 kg/m² |
| München | 89 kg/m² | 267 kg/m² | 223 kg/m² |
| Kempten | 298 kg/m² | 893 kg/m² | 744 kg/m² |
Eigene Berechnung nach DIN EN 1991-1-3/NA: Obergrenzen an der Wand, falls die Kappung erreicht wird. Ob sie erreicht wird, hängt von Hausdachneigung, Höhenunterschied und Dachbreiten ab. In schneereichen Lagen wie Kempten kann die Obergrenze niedriger liegen, weil die Verwehung zusätzlich durch Schneegewicht mal Höhenunterschied geteilt durch sk begrenzt ist (Dlubal Knowledge Base 001611).
Ob dein Dach als „Vordach“ im Sinne der niedrigeren Kappung gilt und welcher Wert sich bei deinem Haus ergibt, rechnet der Tragwerksplaner.
Zwei Dinge kannst du schon vor dem Angebot klären: Wie hoch liegt die Traufe über dem geplanten Terrassendach, und wie steil ist das Hausdach? Ein Schneefanggitter auf dem Hausdach kann das Abrutschen verhindern, an der Verwehung ändert es nichts. Die gilt bei jedem Höhensprung ab 0,50 m, auch unter einem flachen Hausdach.
Herstellerangaben lesen: kg/m², kN/m², Typenstatik und Einzelstatik
Im Shop steht „Schneelast bis 100 kg/m²“, in der Statik „sk = 0,85 kN/m²“. Beides lässt sich vergleichen, aber nur, wenn du weißt, welche Größe gemeint ist.
Mit dieser Lesart wird die Tabelle oben praktisch. Eine Bodenschneelast von 100 kg/m², umgerechnet 0,98 kN/m², liegt über den Werten für Köln und Ulm und über dem Regelwert für Hamburg und Berlin; ob das System den Tieflandfall mit dem 2,3-Fachen trägt, musst du dort gesondert erfragen.
Unter den 1,09 kN/m² für München nach Formel und den 1,15 kN/m² der Lokalbaukommission liegt der Wert. Die Gumax-Heavy-Duty-Variante mit 122 kg/m², also 1,20 kN/m², liegt rein rechnerisch darüber. Das ist ein Zahlenvergleich ohne Wandbereich, keine Freigabe für einen Standort.
Die Angabe hängt an den Maßen
Die Montageanleitung eines Terrassendach-Bausatzes aus dem Baumarktsortiment (Stand 2026) nennt 150 kg/m² für Modelle mit 3 bis 4 m Dachtiefe, aber nur 100 kg/m² für 5 m Tiefe. Dasselbe System trägt also je nach Größe ein Drittel weniger.
Manchmal widersprechen sich sogar die Händler: Für dasselbe Modell Olympia von Palram nennen Händler 50 kg/m² (bauhaus.at) und 170 kg/m² (OTTO). Prüf vor dem Kauf das Datenblatt des Herstellers. Für das Palram-Modell Sierra geben die toom-Listings 100 kg/m² an, also 0,98 kN/m².
Typenstatik, Typenprüfung, Einzelstatik
Vier Begriffe werden im Handel gern vermischt:
| Begriff | Was es ist | Was es für dich bedeutet |
|---|---|---|
| Typenstatik (Herstellerberechnung) | Statische Berechnung des Systems für definierte Maße und Lasten, vom Hersteller geführt | Gilt nur für die dort genannten Maße, Zonen und Höhen; Verstärkungen für deinen Standort kommen extra |
| Typenprüfung | Ein bautechnisches Prüfamt eines Landes, etwa in Brandenburg, prüft die Standsicherheitsnachweise einmal standortunabhängig; gültig bis zu 5 Jahre, verlängerbar | Ersetzt keine Baugenehmigung und keine Zulassung, aber die erneute Prüfung der Statik für die geprüften Fälle |
| Einzelstatik | Berechnung eines Tragwerksplaners für dein Grundstück mit Zone, Höhe und Hausanschluss | Die Rechnung, die Höhensprung, örtliche Vorgaben und deine Maße abdeckt |
| Prüfstatik | Kontrolle einer Statik durch einen Prüfingenieur, wenn das Land es verlangt | Ob sie verlangt wird, regelt das Landesrecht; im Genehmigungsverfahren klären |
Zur Abgrenzung: Das DIBt erteilt Zulassungen für Bauprodukte und Bauarten; Typenprüfungen nimmt es nur dort vor, wo es als Prüfamt anerkannt ist, nach eigenen Angaben für Berlin und Brandenburg. Eine Typenprüfung kann eine Zulassung nicht ersetzen.
Auch ein verfahrensfreies Terrassendach muss standsicher sein. Verfahrensfrei heißt nur, dass niemand den Nachweis vorab sehen will; die Verantwortung liegt beim Bauherrn. Hessen verlangt für baugenehmigungsfreie Terrassenüberdachungen eine Bescheinigung der statisch-konstruktiven Unbedenklichkeit, Details im Ratgeber Baugenehmigung Hessen. Welche Größengrenzen in deinem Land gelten, steht in der Übersicht nach Bundesländern.
Entscheidungshilfe: Bausatz-Angabe oder Statik für deinen Standort
| Situation | Herstellerangabe kann reichen | Statik für deinen Standort einholen |
|---|---|---|
| Zone und Höhe | Wert ausdrücklich als sk angegeben und mindestens so hoch wie dein sk | Angabe ohne Bezug, Zone 1a, 2a, 3 oder Höhenlage, örtliche Sondervorgabe, Norddeutsches Tiefland |
| Hausanschluss | Traufe weniger als 0,5 m über dem Terrassendach, oder die Typenstatik enthält den Höhensprung nachweislich | Jeder Höhensprung ab 0,5 m ohne Nachweis |
| Maße | Rastermaß aus der Typentabelle des Herstellers | Sondermaß, größere Tiefe, weniger Pfosten als vorgesehen |
| Ausbau | Offenes Dach | Seitenwände, Glasschiebewände, Markise, Solarmodule |
| Recht | Verfahrensfrei, kein Nachweis verlangt | Bauantrag, Hessen-Bescheinigung, Grenzbebauung |
Bei den meisten Dächern an der Hauswand gehört der Höhensprung in die Statik.
Glas oder Polycarbonat: was die Eindeckung für die Last bedeutet
Die Eindeckung trägt den Schnee zuerst. Bei Glas ist dafür die Normenreihe DIN 18008 maßgeblich: Jede Verglasung, die mehr als 10° gegen die Senkrechte geneigt ist, gilt als Überkopfverglasung. Die untere Scheibe muss dann aus Verbundsicherheitsglas (VSG) bestehen, Einscheiben-Sicherheitsglas allein ist über Kopf unzulässig. Wie dick das VSG sein muss, ergibt sich aus Spannweite, Auflagerung und Last.
Glas bringt Eigengewicht mit: rund 2,5 kg je Millimeter und Quadratmeter. Ein VSG aus 2 × 4 mm wiegt damit etwa 20 kg/m², eine 16-mm-Stegplatte aus Polycarbonat rund 2,7 kg/m². Die gut 17 kg Unterschied liegen dauerhaft auf Sparren, Rinnenträger und Pfosten; in Köln ist das ein Drittel der rechnerischen Dachlast aus Schnee. Wer später von Stegplatten auf Glas umrüsten will, sollte das vom Hersteller freigeben oder neu rechnen lassen.
| Kriterium | VSG-Glas | Polycarbonat-Stegplatten |
|---|---|---|
| Eigengewicht | ≈ 20 kg/m² bei 2 × 4 mm | ≈ 2,7 kg/m² bei 16 mm |
| Regelwerk | DIN 18008, VSG unten Pflicht | Herstellerangaben und Verlegeanleitung |
| Was die Schneelast begrenzt | Glasaufbau, Spannweite, Auflagerung | Plattenstärke und Stützweite zwischen den Sparren |
| Beim Räumen | Weiche Werkzeuge, keine Metallkanten | Weicher Besen statt Schieber, die Platten verkratzen leicht |
| Nachteil | Mehr Dauerlast auf Tragwerk und Fundament | Bei hohen Schneelasten dickere Platten nötig, Händler nennen 25 mm oder Massivplatten |
Welche Eindeckung bei Licht, Lärm und Alterung besser abschneidet, steht im Terrassendach-Materialvergleich. Was die Varianten kosten, zeigt die Übersicht Terrassenüberdachung Preise.
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Terrassenüberdachung Windlast: Windzonen und Seitenwände
Schnee drückt von oben, Wind drückt und saugt. Die Windlast regelt DIN EN 1991-1-4 mit nationalem Anhang; die Ausgabe DIN EN 1991-1-4/NA:2024-08 ersetzt die Fassung 2010-12. Bauaufsichtlich maßgeblich ist die Fassung, die die Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen deines Landes einführt. Deutschland ist in vier Windzonen eingeteilt:
| Windzone | Basisgeschwindigkeit | Basisgeschwindigkeitsdruck | Belegte Beispiele |
|---|---|---|---|
| 1 | 22,5 m/s | 0,32 kN/m² | Köln |
| 2 | 25,0 m/s | 0,39 kN/m² | Hamburg, Berlin |
| 3 | 27,5 m/s | 0,47 kN/m² | –* |
| 4 | 30,0 m/s | 0,56 kN/m² | Nordseeinseln, Fehmarn |
* Keine übereinstimmend belegten Beispielorte gefunden.
Der Basisdruck ist nur ein Ausgangswert. Was auf dein Dach wirkt, hängt zusätzlich von Höhe, Geländeart und Form ab; die Kartenwerte gelten bis 800 m Geländehöhe. Für die Praxis zählen drei Punkte:
Terrassendach Schnee räumen: wann, wie und womit nicht
Ein Dach, das für deinen Standort gerechnet ist, muss den Normschnee ohne Räumen tragen. Räumen wird wichtig, wenn das Dach knapp ausgelegt ist, wenn Schnee von Hausdach oder Bäumen nachrutscht oder wenn nasser Schnee sich verdichtet. Die Montageanleitung des oben genannten Baumarkt-Bausatzes warnt, dass schon mehr als 10 cm Schneehöhe gefährlich werden können, und rät, regelmäßig zu räumen und die Rinne frei zu halten.
Zum Abschätzen teilst du die zulässige Dachlast s deines Systems durch das Gewicht je Kubikmeter Schnee, nicht die Bodenlast sk. Ist nur sk angegeben oder ist unklar, ob Boden- oder Dachwert gemeint ist, nimm davon zuerst 80 %. Die Tabelle zeigt, ab welcher Schneehöhe ein Dach rechnerisch voll ausgelastet ist:
| Zulässige Dachlast s | Neuschnee (1,0 kN/m³) | Gesetzter Schnee (2,0 kN/m³) | Nasser Schnee (4,0 kN/m³) |
|---|---|---|---|
| 75 kg/m² | 74 cm | 37 cm | 18 cm |
| 100 kg/m² | 98 cm | 49 cm | 25 cm |
| 150 kg/m² | 147 cm | 74 cm | 37 cm |
Eigene Berechnung aus den Wichten nach DIN EN 1991-1-3, Anhang E. Schnee am Hausanschluss liegt höher als in der Fläche.
Räum deutlich vor diesen Höhen, vor allem bevor Tauwetter oder Regen angesagt sind, und an der Hauswand zuerst.
✅ Deine Checkliste für: Terrassendach Schnee räumen: wann, wie und womit nicht
Montageanleitungen verlangen für das Betreten von Hohlkammerplatten quergelegte Laufbretter über mindestens zwei Sparren, und der Händler Rexin empfiehlt Holzbohlen zur Lastverteilung, wenn das Betreten nicht zu vermeiden ist. Beides ist für Montage und Wartung durch Fachleute gedacht, nicht fürs Schneeräumen: Zum Räumen steigt niemand aufs Dach. Bei großen Mengen oder in Höhe ist ein Betrieb mit Hubsteiger die sichere Wahl.
Lamellendach im Winter
Lamellendächer haben eigene Regeln. Der Leitfaden Lamellendächer des Branchenverbands IVRSA hält fest, dass das Dach bei Frost nicht bedient werden darf; viele Anlagen sperren den Motor unterhalb von etwa 2 °C. Bei Schneefall seien die Lamellen zu öffnen, liegt Schnee oder Eis, dürfen sie nicht mehr bewegt werden.
Manche Hersteller geben ihre Schneelast dagegen ausdrücklich für die geschlossene Stellung an, TS-Aluminium etwa bis 350 kg/m² geschlossen (Herstellerangabe, Stand 2026). Welche Stellung für dein Modell gilt, steht nur in dessen Bedienungsanleitung. Dass ein gut ausgelegtes Lamellendach viel Schnee tragen kann, schreibt ein Nutzer im österreichischen Forum energiesparhaus.at:
Auch die Lamellen halten größeren Schneemengen stand (Feuerprobe Dezember 23 mit 41cm Schnee auf den Lamellen).
— Jacky1905 · energiesparhaus.at, Thread „Lamellendach Erfahrungen“, Beitrag #110 vom 28.03.2024
Das ist eine Einzelerfahrung mit einem bestimmten Dach, kein Maßstab für andere Modelle. Die Schneelastwerte einzelner Lamellendächer vergleicht unser Ratgeber Lamellendach Kosten.
Schaden durch Schneelast: Versicherung und Gewährleistung
Bricht ein Terrassendach unter Schnee ein, ist das versicherungstechnisch meist ein Schneedruckschaden, und Schneedruck gehört zu den Elementarschäden. Eine Wohngebäudeversicherung ohne Elementarbaustein zahlt laut Gesamtverband der Versicherer (Stand 2026) dafür nicht. Mit Elementarschutz sind Einsturz, Verformungen und Risse durch Schneedruck gedeckt. Sturmschäden laufen über den Sturmbaustein, in der Regel erst ab Windstärke 8.
Ob die Terrassenüberdachung überhaupt mitversichert ist, hängt vom Tarif ab. Eine fest mit dem Haus verbundene Überdachung zählt oft zum Gebäude, muss aber gemeldet werden, wenn sie nach Vertragsschluss gebaut wurde. Glasdächer brauchen häufig einen eigenen Glasbaustein. Welche Bausteine sinnvoll sind, steht im Ratgeber Wintergarten Versicherung.
Liegt der Fehler in Planung oder Montage, greift die Gewährleistung. Hat ein Betrieb das Dach geliefert und montiert, sind es nach § 634a Abs. 1 Nr. 2 BGB fünf Jahre ab Abnahme; das LG Mönchengladbach hat eine montierte Terrassenüberdachung als Bauwerk eingeordnet (Az. 4 S 141/14).
Beim selbst montierten Bausatz gilt Kaufrecht mit anderen Fristen. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Terrassendach undicht im Abschnitt zur Gewährleistung. Das ist keine Rechtsberatung; bei einem größeren Schaden lohnt sich eine Beratung bei der Verbraucherzentrale oder einem Anwalt.
Checkliste: Schneelast und Windlast im Angebot
Mit diesen Punkten kannst du jedes Angebot prüfen, beim Fachbetrieb vor Ort genauso wie im Onlineshop:
✅ Deine Checkliste für: Checkliste: Schneelast und Windlast im Angebot
Häufige Fragen zu Schneelast und Windlast beim Terrassendach
Wie viel Schnee hält ein Terrassendach aus?
So viel, wie seine Statik für deinen Standort ausweist. Die Norm setzt auf einem flach geneigten Terrassendach 80 % der Bodenschneelast an: in Köln rund 53 kg/m², in Berlin 69, in München 89, in Kempten fast 300 kg/m². Ein Dach, das 100 kg/m² tragen darf, hält etwa 25 cm nassen oder 49 cm gesetzten Schnee.
Welche Schneelastzone habe ich?
Das steht in der DIBt-Tabelle „Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen“ (Stand 07.02.2023) und in der Verwaltungsvorschrift deines Landes. Bequemer ist eine Online-Abfrage wie das Geo-Zonen-Tool von Dlubal. Entscheidend ist neben der Zone die Geländehöhe des Grundstücks.
Was bedeutet „Schneelast 100 kg/m²“ bei einem Terrassendach?
Das hängt davon ab, ob die Last auf dem Dach oder am Boden gemeint ist. Gumax etwa gibt 80 kg/m² Traglast an und rechnet das in eine Bodenschneelast von 100 kg/m² um. Steht der Bezug nicht dabei, vergleich die Zahl mit der Bodenschneelast deines Orts: 100 kg/m² sind 0,98 kN/m². Das liegt über dem Regelwert für Köln, Ulm, Hamburg und Berlin; in Hamburg und Berlin kommt der Tieflandfall dazu, an der Hauswand gilt mehr. Für München und Höhenlagen reicht es nicht.
Ab wann muss ich Schnee vom Terrassendach räumen?
Ein für deinen Standort gerechnetes Dach muss die Normlast ohne Räumen tragen. Räum trotzdem früh, wenn dein Dach knapp ausgelegt ist, Schnee vom Hausdach nachrutschen kann oder Tauwetter und Regen angesagt sind. Ein Dach mit 100 kg/m² ist bei rund 25 cm nassem Schnee ausgelastet. Nie auf das Dach steigen, nur vom Boden aus mit weichem Besen arbeiten.
Reicht die Typenstatik eines Bausatzes?
Sie reicht, wenn Maße, Pfosten, Eindeckung, Zone, Höhe und der Anschluss an die Hauswand genau in ihren Geltungsbereich fallen. Der Höhensprung zur Hauswand ist darin in der Regel nicht enthalten; eine Typenstatik kann ihn nur für festgelegte Fälle (Höhensprung, Hausdachneigung, Dachbreiten) abdecken, lass dir zeigen, für welche. Örtliche Sondervorgaben und spätere Seitenwände kommen dazu.
Ist Glas oder Polycarbonat bei viel Schnee besser?
Beides funktioniert, wenn es für die Last bemessen ist. Glas muss als Überkopfverglasung aus VSG bestehen und wiegt mit 2 × 4 mm rund 20 kg/m², eine 16-mm-Stegplatte etwa 2,7 kg/m². Bei Stegplatten begrenzen Plattenstärke und Stützweite die Schneelast, bei Glas Glasaufbau, Spannweite und Auflagerung.
Welche Windzone gilt für mein Terrassendach?
Deutschland hat vier Windzonen mit 22,5 bis 30 m/s Basisgeschwindigkeit. Köln liegt in Windzone 1, Hamburg und Berlin in Windzone 2, die Nordseeinseln in Zone 4. Wichtiger als die Zone ist oft, ob die Seiten offen sind: Glasschiebewände erhöhen die Windlast auf Pfosten und Fundament.
Zahlt die Versicherung, wenn das Terrassendach unter Schnee einbricht?
Nur mit Elementarschadenbaustein, denn Schneedruck ist ein Elementarschaden. Die Überdachung muss außerdem im Vertrag eingeschlossen sein; eine später gebaute Überdachung solltest du melden. War das Dach für deinen Standort zu schwach ausgelegt, kommt die Gewährleistung des Montagebetriebs in Betracht, bei Lieferung und Montage fünf Jahre ab Abnahme.
Quellen (Websuche, Stand 2026, ausgewertet am 24.10.2026): DIN EN 1991-1-3/NA:2019-04 und DIN EN 1991-1-4/NA:2024-08 (baunormenlexikon.de, dinmedia.de); Formeln und Zonenwerte übereinstimmend nach mauerwerksbau-lehre.de, Hebel-Handbuch (Xella), rechner-portal.de, buildingclub.info, rechenportal.de, schneelast.info; Beiwerte nach Dlubal Knowledge Base 001530; Wichten Anhang E (Nds. MBl. 37/2012, Wikipedia „Schneelast“); DIBt, Zuordnung der Schnee- und Windzonen nach Verwaltungsgrenzen, und DIBt zur Typenprüfung; Bautechnisches Prüfamt Brandenburg, Merkblätter Schneelast und Typengenehmigung; VV TB Hamburg; Lokalbaukommission München, Lastannahmen und Tragwerksplanung; FVLR-Merkblatt 03/2013; Dlubal Knowledge Base 001611, FAQ 002388 und Geo-Zonen-Tool; BDH-Infoblatt Nr. 49 (10/2022); BVM-Arbeitshilfe AH-010 (Teilsicherheitsbeiwerte); Gumax-Leistungserklärung und Produktinformation (tuinmaximaal.co.uk); Montageanleitung media.hornbach.de/hb/installationmanual/as.56832732.pdf; Produktlistings toom.de, bauhaus.at und OTTO (Palram); baulinks.de (TS-Aluminium); IVRSA-Leitfaden Lamellendächer (03/2026); blog.rexin-shop.de, „Terrassendach und Schnee“; SVLFG und sv-sachsen.de (Schnee räumen, Dachlawinen); aroundhome.de und dachdecker-goldschmidt.de (Warnzeichen); glaslotsen.de und dbfenster.com (DIN 18008); glasundbeschlag.de und stegplattenversand.de (Gewichte); dieversicherer.de (GDV), mlp.de, verivox.de/wohngebaeudeversicherung/ratgeber/terrassenueberdachung-versichern-tipps-und-infos-1120371/; dejure.org (§ 634a BGB), nrwe.justiz.nrw.de (LG Mönchengladbach 4 S 141/14); Orts- und Höhenangaben: Statistische Jahrbücher Köln und München, Wikipedia, vd-alusysteme.de (Zonentabellen Bayern und Baden-Württemberg); Forumsbeitrag energiesparhaus.at.
So ist dieser Artikel entstanden: Stand 24.10.2026. Ausgewertet wurden rund 40 Quellen, darunter Normauszüge, Behördendokumente, technische Dokumentation von Software- und Systemherstellern, Herstellerangaben und Versichererinformationen. Normwerte wurden nur übernommen, wenn mindestens zwei Quellen sie übereinstimmend nennen. Tabellen und Grafiken sind Nachrechnungen der Normformeln; Wintergartenliebhaber führt keine eigenen Messungen oder Produkttests durch. Redaktion: Jan Kotzorek.
Alle direkten Duelle zwischen Wintergarten- und Terrassendach-Anbietern auf einen Blick.
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